Rick Hatton - “Keine Angst vorm schwarzen Mann”
Rick Hatton lebt nicht erst seit gestern in Schwetzingen, er gehört seit vierzehn Jahren zum Stadtbild. Und damit auch zur Musikszene. Geboren 1943 in Jacksonville, Florida, faszinierte ihn die Marsch- und Paradenmusik der örtlichen Schulorchester, wenn sie Sportereignissen vorangingen. „Wenn ich von weitem die Klänge hörte, lief ich schon zum Gartenzaun“, erklärt der Vollblutmusiker. „Ich wollte unbedingt ein Instrument“, erzählt der willensstarke Mann und quälte damit seinen Dad solange, bis er im Alter von zehn Jahren eine Trompete bekommt. Die Musikalität lag in der Familie. Die Mutter sang im Gospelchor, Onkel und Tanten spielten viel Hausmusik. Der frühe Tod seines Vaters – Rick war sechzehn Jahre alt – zwang ihn, die Schule zu verlassen. 1961 ging er zum Militär. „Ich hatte dort die Möglichkeit, Musik zu machen und um die Welt zu reisen“, kommentiert er seine Wahl. Und so wurde Hatton Berufsmusiker bei der Army.
Seine Wege trugen ihn nach Deutschland, mitten hinein in das Herz der baju warischen Herzlichkeit, nach München. Und weil Gott es wollte, fand er sogleich die Frau seines Lebens, die es seit vierzig Jahren an seiner Seite aushält. „Damals gab es eine große Jazzszene in München“, sagt Hatton, in der er sofort mitmischte. Max Greger war zur dieser Zeit ein wichtiger deutscher Jazzmusiker, mit dessen Bandmitgliedern wie Benny Bailey Rick Hatton Jam-Sessions spielte. Nach fünf Jahren Deutschland ging es wieder zurück in die Staaten, obwohl er und seine Frau lieber in good old Germany geblieben wären. Uncle Sam zwang ihn in die Heimat zurück, und auch dort spielte der Trompeter nicht nur beruflich, sondern oft privat, in Clubs, auf Parties, bei passenden Gelegenheiten, für die er gerne geholt wurde. „Ich bin ein free-lance-musician“, lacht Hatton.
Nachdem er in Vietnam vor Soldaten aufgetreten war – „es war ein ganz normaler Job“ – ging es 1977 zurück nach Deutschland. Stationiert in Frankfurt hatte er Engagements zusammen mit Musikern des Hessischen Rundfunks und der ARD-Bigband. „Ich spielte in der Margot-Werner-Show“, berichtet der Musiker nicht ohne Stolz, „und zusammen mit Clark Terry“! 1983 kam Hatton dann in unsere Region, der er, nach einem weiteren dreijährigen USA-Aufenthalt, bis heute treu geblieben ist. Hier ist er solo zuhören, oder mit Combos, manchmal auch in Bigbands, die seine musikalischen Wurzeln sind. „Ich bewundere Dizzy Gillespie, Miles Davies und ganz besonders Louis Armstrong. Ohne ihn wäre der Jazz in dieser Form nie entstanden“, erläutert Hatton, der sich in seiner Freizeit außer mit Musik gerne mit deren Geschichte oder Geschichte allgemein beschäftigt.
Sein größtes Vorbild ist Clifford Brown, aber er schätzt auch Musiker der jüngeren Jazzgeneration wie den großen Wynton Marsalis. „ Ich konnte mein Hobby leben, ich bin ein glücklicher Mann“, lächelt weise Rick Hatton. Wer kann das schon von sich sagen.